
Eigentlich habe ich keine Zeit dafür. Also fange ich direkt damit an.
Wie ich mir trotz vollem Kalender ein persönliches Portfolio in Positiver Psychologie anlege und herausfinden möchte, was im Alltag wirklich wirkt.
12 Monate Experiment | Positive Psychologie im Alltag | Mehrere Interventionen | Reflexion mittels Fragebogen
Welcome… zu diesem ersten Blogbeitrag rund um Positive Psychologie. Ein kleiner Traum wird wahr, denn ich wollte schon immer einen Blog haben. Die große Frage war allerdings immer: Worüber soll ich bloß schreiben und wer soll das bitte lesen? Offensichtlich habe ich nun ein Thema gefunden und zwar eines, für das ich brenne: Positive Psychologie! Nach einem Dialog mit meinem inneren Kritiker (dazu später mehr), bin ich nämlich zu der Erkenntnis gekommen, die Positive Psychologie erlebbar machen zu wollen, wobei der Blog dafür das Stilmittel ist.
Nachdem dies für mich klar war, war mir allerdings immer noch unklar, was Dich als Leser daran interessieren könnte. Denn mich interessiert wirklich viel an der Positiven Psychologie und sie begleitet mich schon länger. Ich habe sehr viele gute Erfahrungen mit und durch sie gemacht. Easy!
Wie ist es aber für andere, die das Thema interessant finden, aber nicht genau wissen, was sie erwartet und was das eigentlich im Detail ist? Daher habe ich in verschiedene Richtungen gedacht. Werde ich Dich mit wissenschaftlichen Theorien versorgen? Ja, auch, aber nicht nur, denn das hier ist keine wissenschaftliche Abhandlung. Kennst Du diese Postings aus den sozialen Medien, die immer mit einem Szenario starten, einen Irrtum aufdecken und am Ende die korrekte Auflösung geben? Auch das habe ich nicht gewählt, denn das gibt es schon zu genüge und ehrlicherweise bin das nicht ich. Mir war wichtig, authentisch zu bleiben und die Positive Psychologie noch stärker in meinen Alltag zu integrieren. So entstand die Idee, beides miteinander zu verbinden. Ich lege mir ein Portfolio in Positiver Psychologie an und nehme dich dabei mit. So lernst auch du verschiedene Interventionen kennen und erfährst, wie sie im Alltag wirken können.
Bevor ich weitererzähle, klären wir kurz, was ich mit einem Portfolio meine
Was ist eigentlich ein Portfolio?
Den Begriff kannte ich bisher, wie vermutlich einige andere auch, aus dem wirtschaftlichen Kontext im Sinne von Dienstleistungen. Bei dem privaten Portfolio jedoch geht es um eine Selbstbeobachtung. Kennengelernt habe ich es durch meine Ausbildung bei der DGPP, denn es war eine der Möglichkeiten, eine Zertifizierung zu erhalten. Mehr zu meinem Hinergrund findest du auf der Über mich-Seite. Worum geht es dabei genau? Es geht darum, vier Wochen lang Prinzipien und Interventionen der Positiven Psychologie an sich selbst anzuwenden und mithilfe von Fragebögen zu reflektieren und zu bewerten. Du kannst dir das wie Tagebuchschreiben vorstellen, vielleicht ist dir das Glückstagebuch ein Begriff. Das ist beispielsweise eine der bekanntesten Interventionen der PP (Positive Psychologie). Aber keine Angst, es geht nicht um Tagebuch-Schreiben hierbei. Denn bei dem Portfolio kannst du egal welche Intervention nutzen. Wichtig ist, sie über einen längeren Zeitraum auszuprobieren und zu beobachten, was passiert. Das hat mich auch sehr erleichtert, denn ehrlicherweise ist Tagebuch-Schreiben keine Aufgabe, die ich gut hinbekomme.
Um es zusammenzufassen: Ich werde mir verschiedene Interventionen vornehmen und sie über einen längeren Zeitraum beobachten. Dabei schaue ich, was mir persönlich im Alltag weiterhilft, was mich stärkt, was mich vielleicht behindert und was einfach für mich nicht geeignet ist. Ich werde beobachten, wie gut mir die Umsetzung gelingt und welche Erkenntnisse daraus entstehen. Das sind Fragen, die mich durch das Experiment führen. Und vielleicht kann ich dich inspirieren, auch mit der Positiven Psychologie zu experimentieren. Es geht hierbei also um Selbsterfahrung und das Erleben von Neuem.
Übrigens: Schön, dass du hier bist und toll, dass du schon so lange mitliest. Ich freue mich sehr darüber und hoffe, du bleibst noch ein bisschen da!
Warum ich so lange gezögert habe
Ehrlicherweise hatte ich bisher wenig Muße, einen Blog zu betreiben, denn ich wollte mir schlicht die Zeit dafür nicht nehmen: als arbeitende Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern ist meine Freizeit so begrenzt, dass ich mir sehr gut überlegen muss, worein ich meine Energie stecke. Warum mir also auch noch das ans Bein binden? Kennst du solche Gedanken?
Und damit sind wir schon mitten in der Resilienz und der positiven Psychologie angekommen. Prioritäten setzen, Ziele verfolgen, instrumentelles Stressmanagement sind nur drei der Aspekte, die ich gerade angesprochen habe. Ich lieb’s, denn es ist einfach ganz nah am Leben!
Als mir diese Aufgabe bei der DGPP begegnete, habe ich gar keinen Zugang dazu gefunden und – Hand aufs Herz – ich hatte beim Gedanken an meinen übervollen Kalender auch große Bedenken, dass ich das tatsächlich vier Wochen durchziehen kann. Zwei Tage sicherlich, aber 28? Und das aufeinanderfolgend? Auf keinen Fall, dafür kenne ich meinen Alltag einfach zu gut.
Als aus Neugier ein echter Wunsch wurde
Gleichzeitig war ich sehr fasziniert von meinen Kommilitoninnen, die sich bereits ein Portfolio angelegt haben. Es war sehr spannend zu sehen, wie sie ihre Stärken und Ziele beobachteten. Eine Kommilitonin fand ich besonders inspirierend. Sie hat mithilfe der Warren Buffet Methode offene Ziele und Wünsche identifiziert und in die Tat umgesetzt. Die Selbstwirksamkeit, die sie dadurch erlebte, war so überzeugend, dass in mir der Wunsch wuchs, auch ein Portfolio anzulegen. Der Gedanke ließ mich einfach nicht los, auch wenn mein innerer Kritiker immer wieder mit Bedenken laut wurde. Es entstand ein interessanter innerer Dialog:
- Innere Kritikerin: „Eigentlich habe ich keine Zeit dafür.“
- Entdeckerin: "Wie ist das nochmal? Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich."
- Innere Kritikerin: "Abends bist du oft zu müde für so eine Aufgabe, das hältst du nicht lange durch."
- Wohlwollende Freundin: "Du kannst die Rahmenbedingungen ja anpassen, dann überfordert es dich nicht."
- Innere Kritikerin: "Wofür soll das gut sein? Du musst es regelmäßig machen, sonst lohnt es sich nicht."
- Entdeckerin: "Das wird eine tolle Erfahrung, auch, wenn du es nicht ganz regelmäßig schaffst."
Mir wurde klar, dass ich die Rahmenbedingungen so gestalten darf, dass sie zu meinem Alltag passen.
Denn das Erleben der Positiven Psychologie im Alltag, abseits vom geschützten Ausbildungsrahmen, ist eine Erfahrung, die ich unbedingt machen möchte. Und, wenn ich sie auch nur punktuell umsetze, dann ist es immer noch mehr, als es gar nicht zu tun.
So entstand mein Motto für dieses Experiment: Eigentlich habe ich keine Zeit dafür, also fange ich damit an. ;-)
So soll das Experiment funktionieren
Im ersten schritt habe ich mir alle Interventionen (man nennt sie in der Positiven Psychologie übrigens PPI) angeschaut und überlegt, welche ich besonders reizvoll, spannend oder auch andersartig finde. Und diese nehme ich mir vor.
Damit ich mir keinen künstlichen Druck aufbaue und mit meinem inneren Perfektionsantreiber in einer guten Balance stehe, habe ich die Rahmenbedingungen angepasst. Ich gebe mir 12 Monate Zeit und wende sie zwei Mal die Woche an. Ich habe für die PPIs vorab eine Gewichtung vorgenommen: von „Will ich unbedingt erleben“ bis „Nice-to-have, falls ich so lange durchhalte.“
Außerdem habe ich einen Fragebogen entwickelt, der auf rein subjektiver Bewertung beruht. Ich dokumentiere und bewerte, wie es mir vor und nach der PPI geht, wie sich meine Situation im Laufe der Monate ändert und was ich sonst noch beobachte. Im Anschluss werde ich regelmäßig, wöchentlich oder alle zwei Wochen, darüber auf diesem Blog berichten.
Die Fragen, auf die ich Antworten suche
Was will ich eigentlich durch so ein Positives Portfolio erreichen? Ich habe bereits die Erfahrung gemacht, wenn ich mithilfe der positiven Psychologie tiefer in mich schaue, dass ich Aspekte von mir entdecke, deren Kraft oder Nuancen ich noch gar nicht kannte. Das ist unglaublich toll und spannend, kann manchmal seltsam und auf den ersten Blick befremdlich sein. Ganz sicher ist es aber eine Bereicherung und vor allem steckt dahinter eine große Selbstwirksamkeit und Entwicklung. Mich reizt daran auch zu erfahren: Was überrascht mich? Was funktioniert anders als erwartet? Welche Interventionen bleiben mir wirklich hängen? Ich frage mich, ob ich meine Stärken und Werte nochmal neu kennenlernen werde und inwieweit ich sie zukünftig anders einsetzen werde. Letztendlich ist damit das höhere Ziel: Ich möchte mehr Wohlbefinden. Und das ist eines der Kernelemente der Positiven Psychologie.
Und jetzt geht es los!
In der nächsten Ausgabe stelle ich dir die Interventionen vor, die mich durch die kommenden zwölf Monate begleiten werden. Einige davon haben mich selbst überrascht. Ob sie zu meinem Alltag passen, wird sich zeigen.
Ich freue mich, wenn du nächstes Mal auch wieder reinliest!
Hinweis:
In meinen Kursen zu Stressmanagement und Resilienz arbeite ich ebenfalls mit ausgewählten Methoden der Positiven Psychologie. Schau gerne bei meinen Kursen vorbei für mehr Informationen.
